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Mentale Strategien und Techniken

© Dr. Willmar Schwabe

Denken und Lernen ist viel mehr als das bloße Aufnehmen und Speichern von Informationen. Wenn es um die Bewältigung von mentalen Anforderungen in Alltag, Schule, Beruf oder Familie geht, kommt es darauf an, dass wir Zusammenhänge erkennen und richtige Schlussfolgerungen ziehen, in den unterschiedlichsten Situationen schnell und adäquat (re-)agieren, uns neue Fakten intelligent und nachhaltig aneignen und vorhandenes Wissen adäquat abrufen können. Effizientes Denken ist angesagt in der Wissensgesellschaft. Erfolg und Anerkennung sind damit verbunden.

Es gibt eine Reihe mentaler Strategien und Techniken, die dabei helfen. Sie zielen darauf, den Wirkungsgrad der Informationsverarbeitung zu steigern. Die konkrete Umsetzung erfolgt durch verschiedene Techniken wie z.B. MAT®, die Vermeidung von Ähnlichkeitshemmungen oder auch die Bildung von Gedächtnisbrücken. Die Informationsverarbeitung bewirkt auch, dass die auf uns einströmenden Wahrnehmungen so reduziert werden, dass wir sie besser beherrschen können. Im idealen Erfolgsfall wird das Neue, Unbekannte zu Vertrautem gemacht, ursprünglich sinnarme – weil unverarbeitete – Information wird in individuell sinnhafte Information umgewandelt. Soviel zur Theorie – jetzt wird’s praktisch.

Mentale Basistechniken

Mentale Basistechniken zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei vielen, wenn nicht gar allen Prozessen der Informationsverarbeitung angewandt werden (können). Zu ihnen gehören

  • Erfolg begünstigen: die momentane Aktivationslage bewusst positiv beeinflussen (MAT®), Misserfolgen (z. B. Wortfindungsstörungen) vorbeugen und sie gelassen hinnehmen. Starke nervöse Anspannung mindert die geistige Leistungsfähigkeit. Misserfolge führen zu Anspannung und Furcht vor Versagen. Oft hilft schon, sich klar zu machen, dass die Leistungsfähigkeit eben schwanken kann und dass es anderen genauso geht.
  • Multimodales Lernen: Möglichst mehrere Sinne und Handlungsmöglichkeiten einbeziehen, denn einzeln sind sie begrenzt. So lässt z. B. schon nach 6 bis 10 Sekunden intensiven Zuhörens die Aufmerksamkeit nach. Wer bei einem Vortrag gleichzeitig sieht, hört und schreibt, behält mehr.
  • Zustandsabhängige Informationsverarbeitung: Was wir in einer bestimmten Situation eingeübt haben, ist am besten unter möglichst ähnlichen Umständen wieder abrufbar.  Zur Vorbereitung passen Sie also die Trainings-Situationen der späteren "Ernstsituation" an. Wer eine Prüfung im Sitzen, bei grellem Licht und schriftlich zu absolvieren hat, sollte auch so Lernen.
  • Ähnlichkeitshemmungen meiden: Wer sich kurz hintereinander viel Ähnliches einprägen soll, lernt wenig dazu. Denn die Inhalte überlagern sich teilweise. So ist es schwer, sie bei der Informationsverarbeitung zu unterscheiden, sinnvoll in das Gedächtnis einzuspeichern und später richtig wieder abzurufen. Wer nebeneinander z. B. Italienisch und Spanisch lernt, tut sich schwerer als jemand, der gleichzeitig Italienisch und Russisch lernt.
  • Wiederholen: erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Wissen im Gedächtnis gespeichert wird und wieder abrufbar ist.
  • Überlastungen vermeiden: Nach 45 bis 90 Minuten intensiven Lernens sind die Kraftreserven erschöpft. Mehr Informationen einzupauken bringt wenig. Pausen, möglichst mit Aktivierung der Verarbeitungsprozesse, sind angesagt.
  • Information sprunghaft reduzieren: es gibt einige Techniken, die subjektive Information besonders effektiv reduzieren. Dazu gehören
    • sich auf ein Thema einstellen: bevor man etwas beginnt, macht man sich klar, was man zu erwarten hat, z. B. bei einem Buch oder einem Vortrag (dynamisches Lesen)
    • sich auf das Wesentliche konzentrieren: sich beim Lernen auf Neues konzentrieren, nicht immer wieder das mitlernen, was man schon beherrscht, Unwesentliches weglassen.
    • an Vorkenntnisse anknüpfen: sich bevorzugt mit Themen auseinander setzen, die man schon kennt und darauf aufbauen. Wenn zuviel Neues auf einen einstürzt, besteht die Gefahr der Überforderung. Ist der Stoff allerdings zu vertraut, wird man unterfordert. Auch das beeinträchtigt die mentale Leistung (dynamisches Lesen).
  • Superieren: subjektiv sinnarme Inhalte zu sinnhaften Komplexen oder Kategorien zusammenfügen. Das Wort "Haus" lässt sich z. B. viel leichter lernen als die einzelnen Buchstaben "H", "A", "U", "S" (Komplex bildendes Superieren). Die Einordnung in bereits vorhandene Gefüge reduziert die Lernzeit erheblich. Beispiel: Sich die Worte "Kiefer, Nelke, Rose, Buche, Linde, Krokus, Tanne, Tulpe" einzuprägen geht viel leichter, wenn man sie den Kategorien Bäume (Kiefer, Buche, Linde, Tanne) und Blumen (Nelke, Rose, Krokus, Tulpe) zuordnet. (Klassenbildendes Superieren).

Spezielle mentale Techniken

Spezielle mentale Techniken helfen in ganz besonderen Situationen, nicht jedoch in den meisten oder gar allen:

  • Mit Bildern verbinden: Vorstellungen im Kopf mit Bildern zu verbinden, erhöht die Lernleistung. Erinnert man sich später an eins dieser Bilder, werden die anderen mit abgerufen. Bilder bleiben länger als sprachliche Information verfügbar. Sinnvoll ist auch, mehrere Bilder zu einer Geschichte zusammen zu fügen, z. B. fürs Einkaufen.
  • Gedächtnis-Hilfesysteme: Zahlen-Bilder-Systeme, Loci-System und Buchstaben-Ziffern-System für aktuelle mentale Hochleistungen, z. B. über 30 Dinge nach einmaligem Hören in der richtigen Reihenfolge wiedergeben. Beim Zahlen-Bilder-System (s. Abb. oben) lernt man z. B. 12 Bilder mit Namen und Zahlen – 1=Kerze, 2 = Schwan, etc. – Nennt uns jemand später zwölf Worte, verbinden wir sie in unserer Vorstellung der Reihe nach mit dem erlernten Zahlen-Schema. Andere Hilfesysteme nutzen andere Assoziationsfelder. Stets geht es darum, eine Information mit mehreren Begleitassoziationen zu verknüpfen und dadurch das "Wiederfinden" im Gedächtnis in kurzer Zeit zu ermöglichen. Diese Methoden bedürfen des Trainings, damit sie gut wirken.
  • Eselsbrücken: sich Inhalte über "Hilfsvorstellungen" merken, die an etwas Bekanntes erinnern. Vorsicht: das funktioniert nicht, wenn Sie die neue Information schnell parat haben müssen, z. B. in einem Gespräch. Das "um-die-Ecke-denken" dauert dann zu lange.
  • Informationsanreicherung: Gut zum Bilder merken. Man reichert einen komplexen Stoff mit zugehörigen Begleitinformationen an – "da ist ein Mann drauf", "der trägt einen Hut", "dahinter ist eine Tür geöffnet",...

Umfassende mentale Techniken

Umfassende Mentale Techniken beziehen verschiedene Maßnahmen ein. Zu den wirksamsten gehören

  • Dynamisches Lesen: Schnelllesen, Diagonallesen. Man liest schneller als üblich, erfasst schnell die wesentlichen Inhalte und behält sie besser. Erwachsene können ihre  Lesegeschwindigkeit durch zwei Wochen Training von 250 Wörtern/min. auf das Doppelte steigern. Und sie behalten mehr.
  • Mind Mapping: analoges Wahrnehmen und lineares Denken werden bei dieser Technik kombiniert. Es ist zum knappen und überblickartigen Erfassen komplexer Sachverhalte gedacht. Im Gegensatz zu Listen, die Informationen linear ordnen, kommen beim Mind Mapping Bilder und Farben hinzu, so dass sich auch vielfältigere Themen darstellen lassen. In der Mitte steht das zentrale Thema, die wichtigsten Punkte dazu werden entgegen dem  Uhrzeigersinn darum herum gruppiert und jeweils mit einem Strich verbunden. Bei Unterbegriffen werden die Hauptverbindungen (nach außen hin) aufgespalten.
Lernstrategie

Für aktuelle Hochleistungen helfen Gedächtnis-Hilfssysteme wie das Zahlen-Bilder-System. Für den langfristigen Erfolg, den Schüler, Studenten und Berufstätige benötigen, sind Techniken wie Multimodales Lernen, dynamisches Lesen oder Superieren besser geeignet.

In diesem Sinne: Bleiben Sie fit!

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